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Indiskretion Ehrensache

Notizen aus dem Journalistenalltag von Thomas Knüwer


Warum Elke Heidenreichs "Lesen!" im Internet so etwas wie ein Erfolg istToday
In den vergangenen zwei Wochen verlustierte sich ein Teil der Medienjournalisten an Elke Heidenreich. Die ist mit ihrer Sendung "Lesen!" gen Internet abgewandert, unterstützt von den Produzenten des Lesungsfestivals Litcologne. Und dort, im Web, giftete mancher, wolle niemand mehr die Heidenreich sehen.

Und ich bin verwundert. Verwundert, ob der platten Sicht der Dinge, verwundert ob der Abwertung der Zuschauerzahlen von Heidenreichs Web-Experiment. Denn aus meiner Sicht ist die Sache ein Erfolg - den Umständen entsprechend, muss ich ergänzen.

Ich bin wirklich kein Freund von Elke Heidenreich. Zum Beispiel wegen ihrer egomanischen Texte nach Reich-Ranickys Fernsehpreis-Tirade. Oder weil ich ihre Sendung "Lesen!" so öde und platt fand, verglichen mit der Arbeit von Dennis Scheck.

Als sie aber ihre TV-Sendung verlor habe ich sofort gedacht: Jetzt muss sie ins Internet. Und dorthin ist sie auch gegangen. Zwei Netz-Shows gibt es jetzt von "Lesen!" und sie sind im Großen und Ganzen so gut oder schlecht wie die TV-Ausgaben. Hier die jüngste Folge:


EHL_39 from litCOLONY.de on Vimeo.

Nun mokieren sich viele, die Heidenreich möge im Netz niemand mehr sehen wollen. "Zunehmend tote Hose" macht










Clay Shirky glaskugelt 2009Yesterday
Einer meiner Lieblingsvordenker in Sachen Medien ist der New Yorker Professor Clay Shirky. Weil er neben theoretischer Fundierung die Fähigkeit mitbringt, komplexe Dinge ganz bodenständig einzuordnen - und noch dazu getrieben ist von einem fast manischen Enthusiasmus.

Der "Guardian" hat Shirky getroffen um ihm eine Prophetie in Sachem Medien anno 2009 zu entlocken.


Wenn Shirky redet, redet er deutlich. Zum Beispiel - als Einstimmung - in einer Ausgabe unseres Medienpodcasts bel étage vom November:



Und so nimmt er auch gegenüber dem "Gurdian" kein Blatt vor den Mund. Seine wichtigsten Thesen für 2009:

Zeitungen:
"What we saw happen to the Christian Science Monitor [the international paper shifted its daily news operation online] is going to happen three or four dozen times (globally) in the next year. The 500-year-old accident of economics occasioned by the printing press - high upfront cost and filtering happening at the source of publication - is over."

Magazine:
"The great advantage magazines have is glossy pictures... Brides magazine is going to be the last one standing."

TV:
"The question is who figures out the business model that says it's better to have 6 million passionate fans than 7 million bored ones?"

Shirkys einfach



















Gary Vaynerchuck in der bel étageYesterday
Es gibt Interviews, auf die freut man sich als Journalist, weil man auf jemand mit großem Namen trifft. Und es gibt jene, bei denen der Ruf des Gesprächspartners nicht ganz so donnerhallig ist - man sich aber sicher ist, dass es ein höchst interessantes Gespräch wird.

In die zweite Kategorie fiel mein Treffen mit Gary Vaynerchuck, Gründer des Online-Weinhandels Wine Library und Wein-Videoblogger.

Eigentlich wollte Jacques-Antoine Granjon, Gründer des größten europäischen Online-Handels Vente Privee gehen. Sein letzter Termin auf dem Internet-Kongress Le Web war unser Interview gewesen. Nachdem er die Madeleines im Sprecherraum explizit empfohlen hatte - sie waren wahrscheinlich das einzig wirklich leckere Essen der gesamten Le Web -, hatte ich ihm schon geraten, noch eine halbe Stunde zu bleiben, wenn er gutes Essen mag. Denn da werde gleich der Weinblogger Gary Vaynerchuck eine Live-Show seines Wine Library TV bieten.

Mir wollte Granjon nicht glauben. Dann aber traten wir aus dem Vip-Bereich und Vaynerchuck hatte schon begonnen. Der Vente-Privee-Kommmunikationschef hielt Granjon auf: "Der Typ ist der Wahnsinn - das musst Du sehen." Und so blieb Granjon bis zum Ende - mit sichtlicher Begeisterung.

So ging es vielen in Paris: Die meisten kannten Vaynerchuck noch nicht, weil er sich nicht mit Web-, Marketing- oder Wirtschaftsthemen beschäftigt, so







Scholz & Friends macht sich GedankenJanuary 6
Gute Werber schaffen es, komplexe Zusammenhänge einfach zu vermitteln. Exzellente Werber setzen ihre Erkenntnisse dann noch für das eigene Unternehmen um. Nimmt man diese beiden Sätze als These, so sind Scholz & Friends gute Werber. Denn ihr Video zum Wandel der Medienwelt ist ein wirklich gut gemachtes Projekt:



Das hebt die Welt nicht aus den Angeln - aber es ist so weit gelungen. Wie wäre es also mit dem nächsten Online-Projekt? Zum Beispiel einem einigermaßen ordentlichen Internet-Auftritt, der all diese schönen Kommunikationsinstrumente aktiv nutzt? Beim aktuellen ist nichts zu spüren vom Wille zum Diskurs - den hätte man vor zehn Jahren auch schon so machen können.

(Gefunden beim Werbeblogger)









"Wiso"-Leiter Michael Opoczynski, "Bild"-Kolumnist in speJanuary 5
Das ZDF blogt. Mal wieder. Und immer wenn das ZDF versucht, Weblog-Software anzuwenden, darf man sich sicher sein, dass die Ergebnisse vor allem eines sind: langweilig.

Nun will ich das ZDF-Wahlblog nicht zu früh hinrichten. Doch gleich der erste Beitrag von Peter Hahne brillierte durch die Aneinanderreihung belangloser Floskeln. Zum Beispiel der durch erhöhte Schwachsinnigkeit geprägten Frage:
"Tut das gut, Dauerwahlkampf ausgerechnet in einem der schwersten Krisenjahre?"

Hahne hätte vielleicht lieber die Wahl verlegt. Um sich dann zu fragen, ob das gut tut, so eine Wahl zu verlegen, mitten in der Krise. Aber dass sinvolle Gedankengänge nicht seine Stärke sind beweist er auch mit zusammengehängten Nicht-Zusammenhängen wie:
"Die Schönredner werden an den Wahlabenden wieder Hochkonjunktur haben, während die Schwarzmaler der Weltkonjunktur hoffentlich nicht recht behalten."

Nun erwartet man von Peter Hahne ja auch nicht viel. Von "Wiso"-Chef Michael Opoczynski vielleicht ein wenig mehr. Sein Beitrag aber macht einen noch sprachloser.

Vielleicht bekommt Michael Opoczynski bald eine Kolumen in der "Bild". Zumindest liest sich sein Blog-Beitrag wie eine Bewerbung fÃ